Erster Blogbeitrag

Hallo und Willkommen auf meiner Blog-Homepage. Auf dieser Homepage halte ich Momente aus dem Alltagsgeschehen fest in Form von kleinen Geschichten. Das können Geschichten über Menschen sein, Tiere oder einfach Gedanken. Ich hoffe, dass diese Geschichten Euch eine kurze Auszeit vom Alltag geben und freue mich auch über das ein oder andere Feedback. Liebe  Grüße, Snezana

 

Bujo Bullet Journal(ing)

Stuttgart/Juli 2021

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Gleich zwei Neuzugänge gibt es derzeit auf meinem Schreibtisch, und beide haben etwas mit Ordnung zu tun. Beide gehören in die Welt des Bujo, Bullet Journal(ing). Wie ich neulich herausfand, wurde das Bullet Journal von Ryder Carroll konzipiert, welcher zunächst vergeblich nach einem System gesucht hat, welches seinen Anforderungen, mit ADHS Struktur in seinen Tagesablauf zu bringen, entspricht. Er hat schließlich selbst eines konzipiert, das heute als Bujo Bullet Journal bekannte Kalender-Tagebuch. Meiner Erfahrung nach sind dies die besten Ergebnisse, die man erzielen kann, da sie auf eigenen Erfahrungen und Bedürfnissen beruhen. Man ist selbst, so abgedroschen das klingen mag, der Schlüssel zur Lösung. Zuletzt habe ich mich mit meinem Kalender regelrecht abgemüht, da mir eine Spalte für Notizen schlichtweg fehlte. Ich wollte aber auch keinen englischsprachigen Kalender, und die deutsche Ausführung habe ich nicht mehr gefunden, so dass ich den Kalender schließlich kaufte, mit dem ich jetzt arbeite. Mit der Zeit stellte ich fest, dass ich immer weniger das Bedürfnis hatte, Termine in diesem Kalender zu notieren, wusste aber auch nicht so recht, womit das zusammenhing. Bis ich zufällig zum Thema Bujo recherchierte bzw. das Thema wieder aufgriff. Da stellte ich fest, dass mir schlichtweg der Platz für die Notizen fehlte. Nur die Hälfte meiner Gedanken konnte ich in meinem Kalender erfassen, und das war nicht zufriedenstellend. Fazit: Es eignet sich eben nicht jeder Kalender gleichermaßen für die Bedürfnisse, die man hat.

Gartentagebuch/Bujo-Mix

Auf das Thema Bullet Journal(ing) bin ich vor einigen Jahren über die Sozialen Medien aufmerksam geworden. Mich faszinierte die Erstellung individuell ausgearbeiteter Kalendarien, die auch noch liebevoll illustriert sind; jedoch habe ich das Thema nicht weiter verfolgt. Zeitgleich begann ich, ein Gartentagebuch in einem A5 Notizbuch zu führen, mehr aus der Idee heraus, dokumentieren zu wollen, welche Pflanzen ich habe oder wie sie angeordnet sind. Mit der Zeit kamem immer mehr Informationen dazu, das Büchlein füllte sich, und ich stellte fest, dass alles etwas unübersichtlich geworden war. Zudem neigt sich das Notizbuch dem Ende entgegen, so dass Handlung gefragt war. Ziemlich schnell stand fest, dass das neue Notizbuch ein A4 Format werden soll, da ich auch größere Skizzen angefertigt habe. Was soll ich sagen: es war erstmal befreiend, als ich begann, die Notizen aus dem A5-Buch in das neue zu übertragen. Mit dem Anspruch, ein schön gestaltetes (illustriertes) Bujo zu erstellen, war ich dann aber erstmal komplett überfordert. Das war dann offensichtlich der Moment „Expectation vs. Reality“. Bis zum Inhaltsverzeichnis bin ich gekommen; doch dann kam sehr schnell die Frage, wieviel Seiten ich denn z.B. freilassen soll für bestimmte Themen. Ich beschloss, es weniger konstruiert zu sehen, sondern mehr einfach drauflos zu arbeiten. Es ergab sich auch ein bisschen von selbst; das Papier ist 80 g schwer, so dass Tinte oder Farbe schon durchdrücken. Vorläufig ist das Gartentagebuch mit Bleistift geführt; ich denke, dass sich daran auch erstmal nichts ändern wird. Zudem nimmt es den Druck raus, etwas gestalten zu wollen und nicht zu können, und, das habe ich mit der psychischen Erkrankung gelernt, dass alles, was den Druck rausnimmt, für mich gut ist. Es wird einfacher, und man kommt voran, statt sich mit „wie es sein könnte, aber nicht ist“ aufzuhalten. Ich freue mich auf die weitere Reise mit meinem Gartentagebuch, über das schöne Motiv und den Leitgedanken :).

Bullet Journal Mood Tracker

Dann habe ich noch tatsächlich ein richtiges „Bujo“. Ob es den bisherigen Kalender ersetzen wird, kann ich noch nicht sagen. In erster Linie hat mich, auch wegen der festgestellten Depression, das Mood Tracking angesprochen, das Festhalten bzw. Dokumentieren der Stimmungen. Ich entschied mich nach Internetrecherche spontan für das Mood Tracker Journal von Topp. Zwar finde ich den weiteren Titel „Mein Leben – meine Tracker“ etwas, naja, für mich zuviel des Guten, aber das ist meine persönliche Meinung. Insgesamt fand ich es dann, trotz des Anspruchs, ein selbst gestaltetes Bujo zu machen, gar nicht mal so schlecht, ein vorgefertigtes Journal vor mir zu haben, welches ich einfach ausfüllen kann. Es befreite mich, mal wieder, von dem Druck, zuviel auf einmal zu wollen und nicht zu können. In dem Zusammenhang habe ich festgestellt, dass ich recht wenig über das Bullet Journaling weiß, und eigentlich nur Bilder und (Schnell-)Anleitungen aus dem sozialen Netz kenne. Alles zusammengenommen zuwenig, um draufloslegen zu können. Insofern war das vorgefertigte Journal eine Erleichterung, weil ich gleich loslegen konnte. Bereits nach den ersten Seiten und dem Ausfüllen habe ich festgestellt, dass es mir besser geht. Ich bin besser in der Lage, meine Stimmungen festzustellen und festzuhalten. So kann ich besser nachverfolgen, wie es mir gerade geht, womit evtl. die einzelnen Stimmungslagen zusammenhängen und gegensteuern. Oder zum Beispiel erfassen, wieviel ich an einem Tag getrunken habe, was ich kochen möchte oder auch nur Gedanken erfassen. Es hilft mir dabei, meinen Tag und die Woche zu strukturieren, Pläne zu entwickeln und erlaubt mir, dadurch auf dem Laufenden zu sein. Die Vereinfachung eines vorgefertigten Bullet Journal kann ich nur empfehlen. Natürlich steht es aber jedem frei, sein eigenes, individuelles Bujo zu erstellen.

Hier gibt es noch einen Link zu einer, wie ich finde, informativen Homepage zum Bullet Journal. Gut deswegen, weil sie vorrangig das Bujo als inhaltliches Tool beschreibt, dem die individualisierten Darstellungen folgen. Es gibt auch ein Review zum Originalbuch von Ryder Carroll zur eigentlichen Bullet Journal Methode. Den Autorinnen kann ich nur beipflichten, dass es, eigentlich wie in allem, Sinn macht, sich mit etwas grundlegend vertraut zu machen, bevor man loslegt. Wenn man weiß, wie das Gerüst funktioniert, kann man besser mit dem Tool umgehen, und hat auch mehr Spielraum.

https://www.punktkariert.de/review-bullet-journal-methode

Die Homepage von punktkariert: https://www.punktkariert.de

Nachtrag 07.08.2021: Bitte beachtet das Copyright: die vorliegenden Abbildungen der Buchcover unterliegen dem Copyright der verlage #topp sowie #mynotes

Lichtverhältnisse

Stuttgart/Juli 2021

Eigentlich stand der Strauß schon zum finalen Gang in den Biomüll auf dem Balkontisch. Dann fiel mir das Licht auf, das durch die Blätter schien. Als Hobbyfotografin mit höherem Anspruch weiß man gutes Licht sehr zu schätzen. Also schnell das Handy geschnappt und Fotos gemacht. Voilà.

Finde den Fehler

… mit einem Augenzwinkern 😉

Stuttgart/Juli 2021

Auf der Gassirunde begegnen Leonardo und ich einer Frau im mittleren Alter. Sie bleibt stehen, schaut uns an und fragt:“Ist das ein Whippet oder ein Saluki?“ Ich antworte:“Das ist ein ungarischer Windhund (zu dem „mit Greyhoundanteil komme ich nicht)“. Darauf sie:“Ich komme aus Ungarn, ich bin Ungarin. Wir haben dort keine solchen Hunde.“

Update der Aussaat 2021 und Blumenimpressionen

Stuttgart/Juni-Juli 2021

Hier ein Update vom Blütestand der aktuellen Aussaat. Die Sonnenblumen gehen langsam auf, die Kornblumen sind in voller Blüte, desweiteren die Calendula. Die kleine Cosmee blüht weiter, die große ist groß geworden 🙂 Die Kohlrabi lassen sich etwas Zeit dieses Jahr; die Blätter wiesen zudem Erkrankungen auf (gelbe Flecken, Löcher). Hier entferne ich die Blätter und lasse das Gemüse ansonsten in Ruhe. Der Eisbergsalat schmeckt wie Eisbergsalat (da habe ich bereits ein, zwei Blätter abgezupft und getestet) 🙂 Ansonsten waren auf meinem Schreibtisch Pfingstrosen zu Gast. Für mich auch eine Überraschung: sie duften wunderbar zart, wesentlich sanfter als Rosen.

von links nach rechts: Kohlrabi, Rote Beete; oben: Kapuzinerkresse

Moving forward …

Stuttgart/Juni 2021

Wir bewegen uns in deutlichen Schritten Richtung Barf 🙂 Ich bin sehr gespannt und auch aufgeregt. Die Umstellung auf Barf werden wir behutsam und schrittweise vornehmen. Wir müssen auch schauen, wie Leonardo auf die Ernährungumstellung reagiert, ob er die Rohfütterung verträgt. Ich werde hier immer mal wieder ein Update geben.

Aussaat 2021/Erste Blüten

Stuttgart/Juni 2021

Die ersten Blüten aus der Aussaat 2021 sagen Hallo; ein kleiner Einblick in den Blumenkasten mit Schopfsalbei. Dieser wächst dieses Jahr etwas langsamer, worüber ich jedoch nicht unglücklich bin. Vorletztes Jahr ist er schnell hochgeschossen, was man an den hellgrünen Stengeln sehen kann. Insofern ist es mir lieber, er lässt sich dieses Jahr etwas mehr Zeit; mal sehen, wie er kommt, und ob dieser Standort für ihn besser ist. Die Kapuzinerkresse ist aus der Aussaat vom letzten Jahr, und ich freue mich sehr, dass sie in diesem Jahr wieder blüht. Was man bereits jetzt sagen kann, ist, dass die Trauermücken in diesem Jahr sehr vermehrungsfreudig waren. Letztes Jahr hat es geholfen, die Pflanzen zu besprühen; in diesem Jahr musste ich das Neem, das ich verwende, in das Gießwasser geben und die Pflanzen damit gießen. Geschlüpfte Trauermücken sind weniger das Problem; eher sind es die an den Wurzeln abgelegten Larven, die sich daran gütlich tun. Insofern nützt das Besprühen in diesem Fall wenig, wenn sie schon Larven gelegt haben. Bis jetzt sind die Pflanzen weitestgehend Trauermücken-frei.

Hier sieht man die ersten Schößlinge des Schopf-Salbei, gut zu erkennen an den für einen Salbei typischen Blättern. Links daneben, das leicht gezackte Blatt, denke ich, dass das eine Kapuzinerkresse sein könnte.

Zum Schluss noch eine Fragerunde: was wird dies wohl für eine Kräuterart sein? 😉

Das wenig gebrauchte Utensil

Stuttgart/Mai 2021

Auf meinen Spaziergängen im Wald mit und ohne Leonardo sehe ich und höre sie, noch bevor ich sie sehe; Fahrradfahrer. Sehr oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich manche erst wahrgenommen habe, nachdem sie schon unmittelbar hinter mir sind. Wenn man sie so gar nicht kommen hört, erschrickt man. Man hört ein „Wusch“; dann sind sie meistens schon vorbei, ohne zu klingeln. Mich ärgert dieser Umstand sehr; ich erschrecke jedes Mal. Ab einem bestimmten Zeitpunkt habe ich begonnen mich zu fragen, warum denn die gute alte Fahrradklingel nicht mehr benutzt wird. Heutzutage hat man Fahrräder, die technisch auf dem neuesten Stand sind, mit Motor, mit Alu- oder sogar Karbongestellen, Navis und Kilometerzählern. Eigentlich gehört eine Fahrradklingel bzw. Fahrradglocke (so wird sie in der STVO Fahrrad bezeichnet) mit auf den Lenker. Doch offenbar ist dem Fahrradfahrer von heute nicht mehr geläuftig, den Daumen nach vorne auszustrecken, und den Hebel an der Fahrradklingel/-glocke zu betätigen. Soweit ich mich erinnern kann dient das Klingelzeichen dazu, dass der Fahrradfahrer den Fußgänger darauf aufmerksam macht, dass ein Fahrradfahrer hinter ihm ist und der Fußgänger sodann auf seiner Spur bleibt, bis der Fahrradfahrer vorbei ist. Soweit die Theorie. Erst heute morgen auf dem Gang durch den Wald mit Leonardo habe ich mich mit anderen Hundebesitzern ausgetauscht, denen dieser Umstand ebenfalls aufgefallen ist. Liebe Fahrradfahrer, bitte nutzt die Klingeln, pardon, Glocken, an Euren Fahrrädern; sie haben einen Sinn und Zweck; die Fußgänger danken es euch.

Anzuchtkasten vs. Anzuchttopf

Stuttgart, 25.05.2021

In diesem Jahr habe ich meine Aussaat in Anzuchtkästen gepackt. Als ich damit angefangen habe, Pflanzen vorzuziehen bzw. einzusäen, habe ich Kokostöpfchen verwendet. Einfach mal anfangen, dachte ich mir, und schauen, wie es sich entwickelt. Im zweiten Jahr ging ich unter Anderem zurück auf bereits vorhandene Pflanztöpfe. Oftmals habe ich von gezogenen Pflanzen, die Plastiktöpfchen behalten. Ich fand es zu schade, sie wegzuwerfen. Und sie haben mir durchaus auch immer wieder gute Dienste geleistet, zb. beim Umtopfen der jungen Triebe. In diesem Jahr war etwas anders; vielleicht hat für die Veränderung den Ausschlag gegeben, dass ich auf dem Balkon keinen ausreichenden Platz hatte. Als Standplatz für die Anzuchttöpfchen habe ich eine kleine Palette genommen, die ich umgebaut habe. In den daraus entstandenen Zwischenräumen passen die kleinen Töpfe gut rein. Für größere Anzuchttöpfe wird es dann aber auch schon eng. Mir fiel nach den letzten zwei Jahren auf, dass die runden Töpfe mir etwas unhandlich geworden sind; und sie nehmen auch einiges an Platz weg. Und ganz nebenbei erwähnt, lösen sich die Kokosfasern nicht immer auf. In meinem Gemüsebalkonkasten fliegt noch ein Stück Kokos von einem Anzuchttopf von vor zwei Jahren herum. Also soviel dazu, dass sich die Kokostöpfchen auflösen. Nach einiger Recherche, und insbesondere nach meinem Gärtnereipraktikum, wurde ich neugierig auf die sog. Aussaatkästen. Nachdem ich in der Gärtnerei damit gearbeitet habe, fand ich, dass sie um ein vielfaches praktischer sind, als die einzelnen Töpfe. Obwohl ich nicht begeistert war, dass die Formen aus Plastik sind (mal wieder), wollte ich einen Versuch starten, einfach um es auszuprobieren. Ich meine, dass sie für mehrere Aussaaten deutlich besser zu handhaben sind. Im Vergleich zu einzelnen Töpfchen können deutlich mehr Jungpflanzen gezogen werden; auch das Gießen gestaltet sich einfacher. Wenn die Kästen dann leer sind, können sie gereinigt und wiederverwendet werden. In dem ganzen Plastikwahnsinn dann doch ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Diese, und solche Hundespaziergänge

Stuttgart/Mai 2021

In der Regel sind unsere Hundespaziergänge angenehm. Es gibt hin und wieder Begegnungen, die etwas nervenaufreibend sind, weil nicht alle Hundehalter verstehen, dass ich es NICHT toll finde, wenn ein fremder Hund auf meinen mit Vollspeed zudonnert und ich deswegen den fremden Hund abblocke. Nicht selten finden diese Unterhaltungen dann kurz und knapp statt. Es gibt sehr angenehme Hundebegegnungen, über die ich mich sehr freue; wenn zum Beispiel Hundehalter ihre Hunde ohne Kommentar anleinen, wenn sie sehen, dass mein Hund an der Leine ist, und die Begegnung ist meist mit einem Lächeln beiderseits begleitet. Ich bin froh um jede solche Begegnung. Neulich hatte ich im Wald eine der Begegnungen, die mich zutiefst den Kopf schütteln ließen. Diese Art der Begegnung gehören zum Glück eher der Seltenheit an; doch im Moment selbst sind sie zunächst sehr heftig, und womöglich sorgt die Corona-Müdigkeit dafür, dass dieser Moment länger nachhalt als sonst. Ich lief mit Leonardo durch den Wald. Wir waren fast am Ende unseres Spaziergangs angelangt. Er lief unangeleint neben mir. Leonardo ist inzwischen 11 Jahre alt und ein Senior. In Menschenjahren gerechnet ist er etwa Mitte 60. Man merkt, dass er in diesem Alter deutlich langsamer unterwegs ist. Ein Rentnertempo eben, das wir gehen, zumindest an diesem Tag. Weil ich Kinder vor mir sehe nehme ich ihn auf der von den Kindern abgewandten Seite zu mir ran (Kinder links von mir, Leonardo rechts von mir). Als Hundekommando heißt das: „Bei mir“. Das bedeutet, er geht nahe bei mir. Ein Hund sollte das auch ohne Leine können, und Leonardo kann das. Wir bleiben stehen, und ich halte ihn am Halsband, warte, dass die Kinder mit den Eltern vorbeigehen. Dann kommt es zu einer Situation, die ich nicht kommen sehe: ein Kleinkind, ein Junge, schätzungsweise 6, 7 Jahre alt, stürmt aus ca. einer Armbreit Entfernung mit Gebrüll auf uns zu; er will wohl Leonardo erschrecken. Innerlich verliere ich gerade die Fassung, äußerlich bleibe ich zusammen; mein Gehirn versucht die Situation zu erfassen. Ich nehme mich wie in Zeitlupe wahr, meine Reaktion kommt in Sekundenbruchteilen. In meinem Kopf rattern die Gedanken ab: „wie es sein kann, dass ein Kind so etwas tut?“; „hat ihm niemand gesagt, das das saugefährlich sein kann“ und vor allem: keine Eltern weit und breit in Sicht. Ich brülle zurück:“Hey, das kannst du so nicht machen“, aber eben auch, weil ich vollkommen erschrocken bin und so überhaupt darauf nicht vorbereitet. Mittlerweile kann ich, wenn ich mit Leonardo unterwegs bin, so einige Situationen von weitem erkennen und darauf reagieren, doch auf so eine ist man als Hundehalter gänzlich unvorbereitet. Ich war innerlich völlig aufgebracht, durcheinander, erschrocken und auch wütend. Ich sehe mich um: die Mutter mit einer Freundin mehrere Hundert Meter weiter vorne, dann nichts. Kurz danach kam ein Mann, offensichtlich der Vater, nahm seinen Sohn und schob ihn weiter mit den Worten:“Das kannst du nicht machen, das kann gefährlich sein.“ Immer noch im inneren Film gefangen brülle ich hinterher:“Das kann sogar richtig gefährlich werden“. Dann kommt ein an der Situation gänzlich unbeteiligter Mann und fährt mich an, dass das Kind keine Gefahr ist; wenn überhaupt, würde von mir und meinem Hund die Gefahr ausgehen, da mein Hund unangeleint ist. Mir zieht es nun vollkommen die Schuhe aus; ab dann bin ich mit dem Mann nur noch am streiten, womöglich weil auch hier mein Verstand nicht nachvollziehen kann, was genau dieser Mann mir eigentlich sagen möchte. Ich antworte, dass mein Hund ruhig neben mir steht; dass das Kind eben meinen Hund erschrecken wollte, und eine solche Situation weitaus schlimmer hätte ausgehen können; dass es durchaus einem Kind nicht schaden kann, wenn man ihm Struktur gibt. Er streitet zurück, dass das Kind völlig unschuldig war, dass von dem Kind keine Gefahr ausgehen würde. Ich begreife immer noch nicht, was er mir sagen will. Irgendwann fährt er mich an, was denn sein Kind denn damit zu tun haben würde. Ich antworte, dass ich sein Kind doch gar nicht meine; es stünde doch ganz ruhig neben ihm und hat doch gar nichts gemacht. Sein Kind hat doch gar nichts damit zu tun. Dann dämmert mir, dass es keinen Sinn macht, mit ihm weiterzudebattieren; ich wende mich an Leonardo und sage:“Leonardo, komm, wir gehen“. (Leonardo stand nebenbei die ganze Zeit ruhig neben mir; ihm war das zuviel Trubel und Aufregung). Dann kam ein Satz von dem Mann, bei dem ich gefühlt ein „Klonk“ in meinem Kopf hörte, wie einen Anker, der auf dem Meeresboden aufschlägt. Der Mann wendet sich an Leonardo und sagt: „Ja, tschüss Leonardo“. Bei sowas kenne ich kein Halten; von Mensch zu Mensch lasse ich mich auf Debatten ein, doch es hört bei mir auf, wenn jemand versucht, grundlos mein Tier mit reinzuziehen. (Im übrigen stelle ich jedes Mal die Situation im Sinne meines Hundes klar; ob das ein „der mag das nicht“ ist, oder „der hat Angst“ oder „er ist schüchtern“ ist.) Diese Grenzüberschreitung, dass er versucht hat, seinen Frust an einem, meinem Tier auszulassen, das mit ihm überhaupt nichts zu tun hat, ihm überhaupt nichts getan hat, hat mich zu einer Handlung verleitet, die ich im Nachhinein zutiefst bedauert habe; ich habe sein Kind mit denselben Worten bedacht. Hinterher habe ich mich vor meinem inneren Auge bei dem Jungen entschuldigt; das Kind kann nichts für seinen Vater, der wohl die Situation gänzlich fehleingeschätzt und meine Reaktion auf sich und sein Kind bezogen hat, obwohl er und sein Kind überhaupt nichts damit zu tun hatten. Danach habe ich reflektiert, was ich unter Umständen hätte besser machen können, ob es tatsächlich einen Unterschied gemacht hätte, wenn Leonardo an der Leine gewesen wäre. Für mich wäre es eventuell mehr Sicherheit gewesen, und bestenfalls vermittle ich mit dieser meiner Sicherheit meinem Hund mehr Gelassenheit und Ruhe. Nach reiflicher Überlegung und nachdem ich mit anderen Menschen gesprochen habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es sehr wahrscheinlich unerheblich gewesen wäre. Ein anderer, jüngerer oder unsicherer Hund wäre höchstwahrscheinlich trotz Leine nach vorne gesprungen. Tiere nehmen solche Situationen anders wahr; sie reagieren sehr ursprünglich, und in einer solchen Situation eben unmittelbar auf abrupte Bewegungen. Wenn nun ein Kind, auf Augenhöhe mit einem Hund und mit Gebrüll, weil er den Hund erschrecken will, auf diesen zuspringt, dann wird der Hund unter Umständen, um sich zu verteidigen, und nur um sich zu verteidigen, einen Satz nach vorne machen, ob er nun an der Leine ist oder nicht. Die Worte bzw. die Beschuldigung des Mannes, dass von mir die Gefahr ausgehen würde, weil mein Hund nicht angeleint ist, hat mir die Realtität gezeigt, wie sie heute traurigerweise sehr oft Gang und Gäbe ist. Im Grunde haben die Eltern das Kind nicht beaufsichtigt und ihm auch keine Anleitung gegeben, wie man mit Tieren umgeht. Dem Kind kann man keinen Vorwurf machen. Das Traurige ist, dass der Mensch, wie der Mann, eher dem Tier den Vorwurf machen wird, obwohl das Tier in diesem Fall nichts anderes tut, als sich zu verteidigen. Betrachtet man die Situation anderserum: wie würde wohl ein Mensch reagieren, wenn er einen anderen Menschen aus einer Armbreit Entfernung mit Gebrüll auf ihn zurennen sieht, der ihn angreifen will ? … Genau.