Erster Blogbeitrag

Hallo und Willkommen auf meiner Blog-Homepage. Auf dieser Homepage halte ich Momente aus dem Alltagsgeschehen fest in Form von kleinen Geschichten. Das können Geschichten über Menschen sein, Tiere oder einfach Gedanken. Ich hoffe, dass diese Geschichten Euch eine kurze Auszeit vom Alltag geben und freue mich auch über das ein oder andere Feedback. Liebe  Grüße, Snezana

 

Alltag in Zeiten von Covid #Selfcare

Diese Zeit ist in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Mehr denn je ist es wichtig, gut für sich zu sorgen. Es ist eine Chance zu schauen, was wichtig ist. Das kann für jeden etwas anderes sein. Für mich, das habe ich festgestellt, sind es Basics wie regelmäßig essen, ausreichend trinken und genügend Schlaf. Und ich muss nicht alles gleich hier und heute erledigt haben. Letzteres ist für mich eine große Herausforderung, jeden einzelnen Tag. Ich habe einen sehr ausgeprägten Sinn bzw. ein Bedürfnis nach Ordnung. Liegengelassenes bzw. Unaufgeräumtes erzeugt nach einer Weile bei mir ein inneres Chaos (das können Kleider sein, das Geschirr in der Spüle oder der Schreibtisch). Manchmal nehme ich mir bestimmte Aufgaben vor. Das kann der Balkongarten sein, Wäsche waschen, das Geschirr aus der Spülmaschine ausräumen oder etwas Neues ausprobieren. In meiner Vorstellung ist das alles mehr oder weniger durchgeplant und erledigt. Doch dann kann es passieren, dass ich das zeitlich nicht so hinbekomme, wie ich es mir vorgestellt habe, z. B. weil etwas anderes dazwischenkommt, oder ich für eine andere Aufgabe mehr Zeit gebraucht habe als gedacht. Nach einer gewissen Zeit des Nicht-Erledigens werde ich unruhig und gestresst. Meistens stelle ich dann fest, dass ich frustriert bin. Dann nehme ich mir einen Tag, an dem ich nichts anderes mache als ein Schwerpunktthema abarbeiten, wie z.B. Aufräumen. An einem solchen Tag schiebe ich alle anderen Aufgaben zur Seite, was mir manchmal schwerfällt, denn sie scheinen alle eine Dringlichkeit zu haben. Es ist ein richtiger Kraftakt, die drängenden Stimmen beiseite zu lassen und den Fokus auf das zu behalten, was ich gerade tue. Nach dem Aufräumen stellt sich dann ein gutes Gefühl ein. Es herrscht wieder Ordnung, die Dinge sind an ihrem Platz. Interessanterweise stelle ich jedes Mal kurz danach fest, dass ich zwar aufgeräumt habe, die Ordnung jedoch nicht von Dauer ist. Es werden binnen kurzer Zeit wieder Sachen liegenbleiben, das kreative Chaos auf dem Schreibtisch herrschen und die Küche wird wohl vor dem Schlafengehen auch nicht immer picobello aufgeräumt sein. Für mich und mein Bedürfnis nach Ordnung ist es eine richtige Lernaufgabe, das (vermeintliche?) Chaos auszuhalten. Und auch mir zuzugestehen, dass manche Dinge im Haushalt eben zwar aufgeräumt sein können, jedoch sich auch wieder bewegen werden. (Das nennt man dann wohl Leben ?) Nichts ist statisch, nichts steht auf Dauer an einem Platz (außer im Museum; und selbst da nicht). Wenn dann doch die Stricke zu reißen drohen, was ich aufgrund von äußeren Signalzeichen merke, gibt es nur dann nur noch eins: sich zusammenpacken und nach draußen gehen, einen Spaziergang machen. Hier ist mein Lieblingsort der Wald. Hier kann ich gehen, joggen, den Wind hören, die Sonne spüren, den verschiedenen Geräuschen im Wald lauschen. Es wird alles ein wenig leichter.

Busgespräche

Stuttgart/März 2018

Ich fahre mit dem Bus in die Stadt. Unmittelbar neben dem mittleren Einstiegsbereich befindet sich eine Sitzgruppe mit vier Plätzen. Alle vier sind für Menschen mit Handicap ausgewiesen. Eine Frau mit Einkaufswagen steigt zu und setzt sich in diese Vierergruppe, den Einkaufswagen im Fußbereich abgestellt. Der Fußbereich ist nicht besonders groß, und der Einkaufswagen nimmt viel Platz ein. An einer anderen Haltestelle steigt, mit einer Gehhilfe, eine weitere Frau zu, und setzt sich ebenfalls in diese Sitzgruppe. Ein Gespräch beginnt. Die zuletzt zugestiegene Frau weist die Frau mit dem Einkaufswagen in einem leicht aggressiven Ton darauf hin, dass diese Sitzgruppe für Menschen mit Handicap reserviert ist und erwähnt dabei, dass sie Schwierigkeiten beim Laufen hat. Die Angesprochene erwidert, dass sie wisse, dass diese Sitzgruppe für Menschen mit Handicap reserviert ist; sie selbst hätte auch Schwierigkeiten beim Laufen. Bemerkenswert ist, dass die angesprochene Dame nicht auf den leicht aggressiven Ton der zugstiegenen Frau reagiert. Es folgt ein Gespräch, in dessen Verlauf man auf gesundheitliche Befindlichkeiten zu Sprechen kommt. Offensichtlich ist gemeinsames Leid geteiltes Leid, und so entspinnt sich ein Gespräch über Zipperlein im Alter, Behandlungen und Therapieansätze. Ein Erfahrungsaustausch, in dessen Verlauf man auf ein gänzlich nicht-medizinisches Thema zu sprechen kommt: den Einkaufswagen. Die zugestiegene Frau fragt die Dame, wo sie ihren Einkaufswagen gekauft hätte; er sei sehr schön. Die Dame konnte sich nicht mehr daran erinnern. Es folgte ein leichter Smalltalk; dann stieg die zuletzt eingestiegene Frau an der kommenden Haltestelle aus. Ein Schmunzeln zog sich über mein Gesicht. Es war erstaunlich, wie geteiltes Leid und ein Einkaufswagen ein zunächst mit Beschuldigungen begonnenes Gespräch in versöhnliche und schließlich friedliche Bahnen zu lenken vermochten.

Bildtitel: „Bus-Spur“

Keep breathing

Stuttgart/April 2020

In diesen Zeiten steht vieles still, und Dinge, die der Normalität angehören, sind derzeit eine Besonderheit geworden. Spaziergänge gehören dazu, sich im Frühling draußen aufzuhalten. Es ist sehr wichtig, den Empfehlungen zur Eindämmung des Corona-Virus zu folgen. Aufgrund der bei mir festgestellten Depression sind Spaziergänge für mich enorm wichtig, denn sie helfen mir, das innere Gleichgewicht zu erhalten. Diese tue ich dieser Tage natürlich immer unter Einhaltung der Empfehlungen. Sehr stark habe ich das Gefühl, dass draußen jetzt schönes Wetter ist, wir als Menschen jedoch recht wenig davon mitbekommen. Das folgende Bild ist mir, als eines von vielen, aus der aktiven Zeit der Streetphotography besonders in Erinnerung geblieben. Es ist für mich der Inbegriff von Sommer, Luft, Wind und Leichtigkeit. In diesem Sinne hoffe ich, dass von allem etwas ankommt. Keep breathing, es geht auch wieder vorbei.

Ein Unfall mit einer Hummel

Medulin/Istrien 2017

Es ist Sonntag. Nach dem gemütlichen Frühstück sitze ich entspannt auf der Terrasse und genieße die warme Luft und die Helligkeit. Unser Vierbeiner Leonardo liegt auf seiner Decke vor dem Tisch und genießt sichtlich auch das schöne und milde Wetter. Urs ist im Haus verschwunden. Ich sitze auf der Bank des etwas rustikaleren Tischensembles und träume so vor mich hin, eine Hand locker über der Lehne der Bank gelehnt. In meine Träumerei versunken höre ich sie zunächst nur, die Hummel, die irgendwo auf der Terrasse umherfliegt. Dass sie sich unmittelbar vor mir befindet merke ich erst, als sie mit meiner Handfläche kollidiert. Man könnte sagen, ein Zusammenprall im Flug. Der Aufprall hat eine ganz leichte, verhaltene Wucht. In meiner Handfläche fühlt sich der Körper zart an, weich. Aufgeschreckt aus meinen Tagräumen ziehe ich meine Hand weg, begleitet von einem lauten „Huch!“ und bin leicht überrascht. Urs kommt aus dem Haus; „Was war eben los?“ fragt er. Ich antworte: „Ich glaube, ich hatte gerade einen Unfall mit einer Hummel“. Er antwortet mit einem Schmunzeln und auch mir entlockt diese Feststellung ein Lächeln.

Der Enterich unter dem Magnolienbaum

Stuttgart, Schlossgarten/2017
Die Blüten an den zwei Magnolienbäumen im Stuttgarter Schlossgarten sind schon größtenteils verwelkt. Unweit vom jeweiligen Stamm liegen sie verstreut auf dem Gras, das an diesem Tag eine intensive grüne Farbe hat. Die violett-weißen Blätter heben sich dadurch deutlich hervor. Ein einzelner Enterich steht unter dem größeren der beiden Bäume, inmitten der auf dem Boden liegenden Magnolienblüten. Ich beobachten ihn, und weiß erstmal nicht so recht, warum. Dann fällt es mir auf: es sieht fast so aus, als würde er ein Bad in den Magnolienblüten nehmen. Bei diesem Bild würde man wohl eher die Assoziation bilden, dass eine Frau ein Blütenbad nimmt; ein wohlbekanntes Bild. Doch ein Enterich? Dieses gegenteilige Bild amüsiert mich. Er zieht noch zwei weitere Besucher an, die ihn fotografieren. Dann wird ihm die Aufmerksamkeit zuviel, was er lautstark bekundet. Er watschelt weg und fliegt schließlich davon.